Sonntag, 23. Juni 2013

Hallöchen,

Heute in einem Monat stehe ich also am Flughafen.
Die Vorfreude und Aufregung steigt immer mehr.

Hier ein wunderschöner Text, der alle Höhen und Tiefen eines Auslandsaufenthaltes beschreibt:

Ein Austauschschüler zu sein ist nicht einfach.
Neben den Menschen, die dir immer zur Seite stehen, dich unterstützend und dir Mut zusprechen,
gibt es auch immer die Zweifler und Neider, die dir dein Glück nicht gönnen.
Plötzlich reden Menschen, von denen du geglaubt hast, sie seien deine Freunde, hinter deinem Rücken.

''Das schaffst du ja doch nicht.''
''Nach ein paar Monaten/Wochen bist du eh wieder zu Hause.''
''Was bildest du dir eigentlich ein?''

Und trotzdem lächelst du weiterhin als ob nichts wär'.
Hörst dir die geheuchelten Abschiedsgrüße an.

''Ich schaffe das schon. Irgendwie. Bestimmt.!

Es gibt Tage, an denen du dir selbst nicht glaubst.
Am liebsten würdest du die Zeit zurückdrehen.
Was hat dich bloß zu diesem Irrsinn geritten?
Vielleicht wolltest du einfach beweisen, dass du stark genug bist.
All den Zweiflern um dich herum.

''Du musst uns nichts beweisen.'', sagen die Menschen, die dich lieben.
''Ich weiß''

Und mit der Zeit, verstehst du, dass du diesen Menschen nichts beweisen musst.
Doch jetzt willst du es dir selbst beweisen.
Am Flughafen überlegst du dir dann für einen Moment ernsthaft, deine Koffer zu nehmen und zurück nach Hause zu fahren.
Einfach so, als ob nie etwas gewesen wäre.
Doch wofür hast du dir dann den ganzen Stress angetan?

In deinem neuen Zuhause angekommen, ist es dann auch nicht immer so wie erhofft.
Und mit der Zeit wird dir bewusst, dass es die kleinen und bisher selbstverständlichen Dinge sind,
die plötzlich viel wichtiger erscheinen.

Die Kochkünste deiner Mutter.
Das typische ''Morgen'' deiner Freundin auf dem Schulweg.
Dein Lieblings-Radiosender.
Das Lachen mit Freunden über Dinge, die nicht lustig sind.
Die Bushaltestelle um die Ecke.
Die sarkastischen Kommentare deiner Schwester.
Deine Lieblingsschokolade.
Die Fußgängerzone in deiner Stadt.
Das ernst gemeinte ''Das wird schon!'' deiner Freunde.
Der echte Baum für Weihnachten.
Die nächtelangen Gespräche mit deiner Schwester.
Die Spielabende im Garten mitten in der Nacht.
Die Besuche bei deiner Tante/Onkel.
Dein Haustier, dass du wahnsinnig gern hast.
Und noch so viel mehr.

Dann kommen Tage, an denen du einfach nur nach Hause willst, weil alles so anders ist.
Dazu kommen noch Albträume, die dich nachts nicht schlafen lassen.

Andere mögen sich fragen, warum du dir das alles antust.
Warum du nicht einfach alles hinschmeißt und nach Hause fliegst.

Warum?
Weil es das Ganze wert ist.

Trotz all den schweren Zeiten würdest du deine Entscheidung niemals rückgängig machen.
Selbst nach dem 100.Mal würdest du dich noch immer genauso entscheiden wie beim ersten Mal.
Auch wenn auf den ersten Blich nicht alles so toll ist wie in deinen Vorstellungen,
am Ende ist es sogar noch schöner als du es dir erträumt hast.

Tausende Kilometer von deinem Zuhause gibt es einen Ort, an dem du willkommen bist.
Den du dein Zuhause nennen kannst.
Menschen, die eigentlich Fremde sind, nehmen dich als ihre Tochter auf, einfach so.
Plötzlich hast du zwei Mütter und zwei Väter, die dich lieben.
Die dich abends fragen, wie dein Tag war.
Die stolz auf deine Konzerte kommen.
Zwei Mütter, die dir immer wieder sagen, wie gut ihnen deine neue Frisur gefällt.
Die dich einfach verstehen, weil sie das selbe durchgemacht haben.
Zwei Väter, die bei dem Gebrauch eines fremden Jungennamens misstrauisch werden.
Die dich auch nachts oder am frühen Morgen von einer Party abholen kommen.

Und dann hast du auch noch eine Schwester, die du lieben lernst wie eine richtige Schwester.
Mit der du durch dick und dünn gehst.
Die zu deiner guten Freundin wird, die immer für dich da ist.
Zu der du in der Pause laufen kannst, um dir ihren Taschenrechner für deinen Mathetest auszuleihen.
Mit der du ohne Grunde im Abstellraum auf dem Boden schläfst.
Die dich morgens im Schulbus fragt, was im nächsten Kapitel passiert, in dem Buch, das ihr für Englisch lesen sollt.
Die dir eine lachende Sonne in deinen Schülerkalender malt für den Tag, an dem du eine Arbeit in Geschichte schreibst.
Die du auch ohne viele Worte verstehst.

Und wieder sind es die kleinen Dinge, die dir klar machen, dass du dich richtig entschieden hast.

Der lachende Busfahrer, der dich fragt, ob du von Bären verfolgt wurdest, wenn du mal wieder zu spät zum Schulbus rennst.
Die an eine Videothek erinnernde DVD-Sammlung deines Dads.
Die Begeisterung der ganzen Schule bei dem Basketballspiel der Schulmannschaft.
Das Eis, das selbst in Italien nicht besser schmecken könnte.
Die Tatsache, dass es niemanden stört wenn du die Geschichtsstunde mit dem Kopf auf dem Tisch liegend. schlafen verbringst.
Die 23 jährige Chorlehrerin, die dir im Unterricht erzählt, dass sie sich ihre halbe Augenbraue aus Versehen abrasiert hat.
Die Sonntage, an denen du nach der Kirche shoppen gehen kannst.
Der Deutschlehrer, mit dem du auf Deutsch über die ganzen Neuseeländer lästern kannst.
Die Tatsache, dass Leute, die du nur vom Sehen kennst, dich einfach nach Hause bringe, obwohl es 30 Minuten Fahrt bis zu deinem Haus sind und sie in der entgegengesetzten Richtung wohnen.
Die Tage, an denen alle Lehrer und Schüler in den Schulfarben zur Schule kommen.
Die iMac Computer in der Bibliothek.
Die Menschen, die alle ihr Deutsch testen wollen.
Die Mottotage in der Schule, an denen alle mitmachen und sich auch die peinlichsten Klamotten anziehen.

Die Liste ist endlos.

Schon vor dem eigentlichen Austauschjahr gab es besonders schöne Momente, die du dein Leben lang nicht vergisst.
Die ernst gemeinten Tränen bei deinem Abschied.
Die ganzen Geschenke, die sich deine Freunde mit so viel Mühe ausgedacht habe.

Einfach der Gedanke, dass deine Freunde und deine Familie dich wirklich unglaublich lieben.

Vielleicht die Vorbereitungstagung die du hattest.
Bei der du so viele nette Leute kennen gelernt hast, die dich verstehen, weil sie in dem Moment das selbe durchmachen wie du selbst.
Mit denen du Unvergessliches erlebt hast.
Mit denen du offen über deine Ängste sprechen konntest, ohne Angst davor zu haben, dass sie dich auslachen würde.
Von denen Einige zu wichtigen Freunden geworden sind.

Ja, ein Austauschschüler zu sein ist nicht einfach.

Aber jeder Moment, in dem du dir am liebsten die Seele aus dem Leib geschrieen hättest,
jede Träne, die du vergossen hast,
und jeder Tag, an dem du alles hinschmeißen und die Zeit zurückdrehen wolltest,
waren es wert.

Niemand hat jemals behauptet es wäre einfach.
Niemand hat jemals behauptet es gäbe nur schöne Zeiten.

Ein Austauschschüler zu sein bedeutet, Neues kennen zu lernen.

Eine neue Sprache kennen zu lernen.
Eine neue Kultur kennen zu lernen.
Neue Sitten kennen zu lernen.
Fremde Menschen kennen zu lernen.

Doch als Austauschschüler lernt man noch so viel mehr.

Meins! :)
Man lernt andere Wege der Kommunikation.
Man lernt sich in zwei Sprachen zu verständigen, zu denken und zu träumen.
Man lernt eine andere Denkweise zu verstehen.
Man lernt, was es heißt Verantwortung zu übernehmen.
Man lernt, dass man für seine Träume kämpfen muss.
Man lernt dankbar zu sein, für das, was man hat.

Doch das Wichtigste, das du lernst ist, wer du wirklich bist.

Plötzlich wirst du gefragt, ob du am Wochenende lieber ausschlafen willst, oder etwas unternehmen willst.
Man fragt dich ob du lieber Zeit mit der Familie vor dem Fernseher verbringst, oder lieber für dich alleine ein Buch liest.
Das Schweigen, was für dich schon immer selbstverständlich war, wird als schlechte Laune ausgelegt.
Die Frage, ob du immer Kaugummi kaust wenn du genervt bist, ist gar nicht mal so abwegig.

Und deiner Angewohnheit, jedem freundlich gegenüber zu treten und deine Abneigung niemals offen zu zeigen, hast du schon lange keine Beachtung mehr geschenkt.

Doch in einem völlig neuen Umfeld kommen solche Fragen nun einmal auf, und mit einem Mal machst du dir Gedanken über deinen Charakter oder deine Eigenschaften die bis jetzt immer selbstverständlich für dich waren.

Als Austauschschüler erlebt man Höhen und Tiefen,
viele schöne, aber auch viele schwere Zeiten.

Aber das ist es wert.

Clara ♥

1 Kommentar:

  1. Hi Clara, du schreibst echt schön! :-)
    Ich würde auch gern ein Auslandsjahr machen, und zwar in Argentinien. Da das für mich finanziell aber leider nicht möglich ist, nehme ich an einem Video-Wettbewerb von into teil, bei dem ich, wenn ich bis Ende der Abstimmung auf einem der ersten drei Plätze bin. Ich würde mich riesig freuen, wenn du für mich abstimmen und es vielleicht auch einigen Leuten weitersagen könntest. :-)
    http://www.into-schueleraustausch.de/topbotschafter/videos/details/90tunKdlcLE
    Vielen herzlichen Dank und nicht vergessen, die zweite Mail bestätigen, denn sonst zählt die Stimme leider nicht. ;-)
    Vielen lieben Dank! ♥

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